Lyle Seitz: Ich bin mit der bisherigen Saison sehr glücklich

Teil eins des Interviews mit Lyle Seitz. Der „Direktor of Hockey Operations“ in der Erste Bank Eishockey Liga zieht ein Fazit der laufenden Saison. Weiters spricht er über die Situation der Schiedsrichter und das Vertrauen im europäischen Sportsystem.
Sportreport: Lassen Sie uns mit einem Zwischenfazit beginnen. Was sagen sie zur Saison 2012/13?
Lyle Seitz: Mit dem heutigen Tag sind wir mit der bisherigen Saison sehr glücklich. Wir haben Fortschritte gemacht. Unsere Hauptarbeit findet hinter den Kulissen statt, fernab der breiten Öffentlichkeit. Wir verfolgen aber ein zeitintensives und in Etappen ausgerichtetes Konzept, welches nicht nur für die Gegenwart sondern auch auf die Zukunft ausgerichtet ist.
Womit nicht ganz glücklich bin – wobei vielleicht ist das nicht die richtige Bezeichnung dafür – ist der Umstand, dass wir viel Zeit brauchen, um dort hin zu kommen wo wir hin wollen. In einer Phase der Änderung geht es manchmal intensiv zu weil Menschen noch andere Dinge gewöhnt sind. Wir sind gerade in der Mitte einer solchen Etappe. Wir wissen wo wir hin wollen und müssen. Jetzt müssen wir den Schritt tun und auch tun lassen.
Sportreport: Wo gab es die meiste Verbesserung seit ihrer Ankunft?
Lyle Seitz: Im Bereich der Schiedsrichter. Als ich gekommen bin, gab es kein Programm, Unterstützung oder dergleichen. Da gab es gar nichts für die Schiedsrichter. Wir sind nun in Programmen. Eines ist auf zukünftige Schiedsrichter oder Nachwuchskräfte zugeschnitten. Wir bringen ihnen im Moment Dinge bei, die man eigentlich bereits in Nachwuchsligen oder in der U20-Liga auf Profi-Niveau hätte lernen müssen. Diese Schiedsrichter hatten noch nie solche Möglichkeiten. Wir machen in diesem Bereich große Fortschritte – hoffentlich bleibt das so.
Sportreport: Wie sehen sie den Status der Nachwuchsschiedsrichter?
Lyle Seitz: Die Programme sind praktisch brandneu, sie befinden sich gerade in einer Aufbauphase seit dem Sommer. Wenn ein Fan in Wien ein Spiel sieht, wird er es vielleicht nicht so sehen. Die Schiedsrichter arbeiten hinter den Kulissen sehr hart und entwickeln sich prächtig. Sie sind weit über unseren Erwartungen – verglichen mit der Vergangenheit.
Sportreport: Wir haben unseren Lesern die Möglichkeit gegeben, Fragen zu stellen. Der Hauptkritik an den Schiedsrichtern war, dass viele über den Spielverlauf gesehen ihre Linie verlieren und über die gesamte Spielzeit oder mehrere Spiele nicht ihren Stil durchziehen. Was meinen Sie?
Lyle Seitz: Simple Antwort: Spielen die Spieler ihren Stil über ein komplettes Spiel? Ziehen die Spieler ihre „Linie“ über ein komplettes Spiel durch? Jedes Team spielt einen anderen Stil und ändert ihn zum Teil auch während des Spiels. Wir lehren unseren Schiedsrichtern in diesem Punkt eine alte Weisheit: Das Spiel ändert sich von Minute zu Minute. Es kann sehr ruhig sein und dann kommt ein großer Check und das ganze Spiel ändert sich. Die Linie der Schiedsrichter ist immer dieselbe, gleicht sich aber an die Spielart der Spieler an.
Sportreport: Bei ihrem Amtsantritt haben sie gemeint, dass die Schiedsrichter mehr Respekt bekommen müssen. Wie sehen sie die Situation? Erhalten die Schiedsrichter ihrer Meinung nach den nötigen Respekt?
Lyle Seitz: Von der Öffentlichkeit mit Sicherheit! Mein Respekt geht an die Öffentlichkeit und an die Fans. Sie sind großartig. Die Mehrheit der Teams ebenso. Auf wenige Teams trifft das aber nicht zu. Die Liga wird sich nie weiterentwickeln, wenn nicht alle verstehen, dass man nur gemeinsam etwas erreichen kann. Nehmen wir jetzt die Schiedsrichter aus. In allen Punkten im Leben gibt es Führungsqualitäten, menschliche Fehler und einen Mangel an Unterstützung. Ich bin hier, um die Schiedsrichter zu unterstützen. Es gibt Teams die glauben, dass sie für ihr Team individuell einen besseren Job machen würden. Das wird so jedoch nicht funktionieren.
Sportreport: Wie schwierig haben sie bei Ihrer Ankunft Ihren Job gesehen und wie schwierig ist es jetzt?
Lyle Seitz: (schmunzelt) Ein großartige Frage. Noch vor 18 Monaten hätte ich gedacht, dass das ich alle Facette des Spiels kenne. Ich habe im Junior-Hockey-Bereich als Trainer gearbeitet. Also kenne ich das Spiel als Schiedsrichter, Spieler und aus Trainersicht. Was ich nicht kannte, ist die Politik im europäischen Sport. Nicht nur Eishockey. Man schaue auf Fußball, Handball oder andere Sportarten. Die alte Geschichte, die alte Kultur, die alten Rivalitäten.
Im Endeffekt muss etwas vorhanden sein, was man Vertrauen nennt. Ich persönliche finde, dass es kein Vertrauen im Sport hier gibt. Kein Vertrauen ins System. Kein Vertrauen in irgendwas. Wenn du dir selbst nicht vertraust, kannst du am Ende niemanden vertrauen. Das ist es im Endeffekt.
Zum Teil 2: Ich teile nicht immer die Meinung bei Sperren oder Checks
Zum Teil 3: Die Teams sollten in sicheres Equipment investieren
05.03.2013






