Bundesliga, tipico Bundesliga

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Die Bundesliga-Saison 2016/17 ist absolviert. Im zweiten Teil werfen wir einem Blick auf die Performance der Teams aus den Top 5. Die Sportreport-Redaktion analysiert dabei die Saison von Meister Red Bull Salzburg, den Europa League Startern Austria Wien und Sturm Graz sowie Winterkönig SCR Altach und Rapid Wien.

Red Bull Salzburg – beste, konstanteste Mannschaft krönt sich zum verdienten Meister
Wer, wenn nicht Salzburg? FC Red Bull Salzburg ist am Ende der verdiente Meister der Saison 2016/17. Die Bullen sind nicht nur aufgrund ihrer finanziellen Ressourcen der verdiente Meister, sondern auch aufgrund vieler anderer Aspekte. Ein paar Beispiele gefällig?

Trainer Oscar Garcia hatte ein sportliches Konzept und zog dieses durch. Der Spanier stabilisierte die Defensive und verfeinerte die Offensive. Red Bull Salzburg verfügt aktuell über keinen echten (Super-)Star. Die Mannschaft steht im Mittelpunkt und so können sich die Einzelspieler in aller Ruhe auf hohem Niveau weiterentwickeln. Wenn man sieht, was über den FC Liefering an jungen, hungrigen Spielern nachkommt, dann kann einem, aus Sicht der Konkurrenz, Angst und Bange werden.

Red Bull Salzburg ist ein internationaler Ausbildungsverein. Nicht nur beim „Partnerverein“ in Leipzig, sondern auch in anderen größeren Ligen sind Spieler der Bullen interessant. Um den Qualitätsverlust bereits kurzfristig zu kompensieren, benötigt der österreichische Serienmeister ein durchgehendes sportliches Konzept. Dieses haben die Mozartstädter. Auffällig ist jedoch, dass man praktisch jährlich Probleme hat, aus den (Saison-)Startblöcken zu kommen. Bleibt aus heimischer Sicht zu hoffen, dass dies in der kommenden Saison auf internationaler Ebene nicht geschieht und der Meister die Tipico Bundesliga international erfolgreich repräsentiert.

In der zweiten Saisonhälfte haben die Bullen die heimische Konkurrenz zertrampelt. Auffällig dabei waren die bärenstarke, praktisch fehlerlose, Defensive und die hungrige Offensive. Auch ohne Torjäger Soriano war man in der Lage, hohe Siege einzufahren. Red Bull Salzburg – ein würdiger Meister mit guter Perspektive für die Zukunft.

Fazit und Ausblick
Red Bull Salzburg ist der verdiente und logische Meister. Nach Stolperstart und internen Querschüsse zogen alle an einem Strang. Innerhalb kurzer Zeit fand Trainer Oscar Garcia, trotz einiger prominenter Abgänge, eine dominante Mannschaft die mit ihrem Spielstil deutlich über der Konkurrenz stand.

Schafft es Red Bull Salzburg über den Sommer die Mannschaft und Trainer beisammen zu halten, wird der Meistertitel 2017/18 ebenfalls nur über die Bullen führen. Die kommende Transferperiode wird hier ausschlaggebend und richtungweisend sein. Nicht nur kurz-, sondern wohl eher im mittelfristigen Bereich.

Austria Wien – zweitbeste Mannschaft der Saison wird Vize-Meister trotz 36 „Auswärtsspielen“
Die Saison 2016/17 war die erwartet schwierige Spielzeit für Austria Wien. Im ersten Jahr im Exil im Ernst-Happel-Stadion bzw. Trainingszentrum in Steinbrunn holten die Veilchen auf den ersten Blick das Maximum heraus. Trainer Thorsten Fink führte seine Mannschaft auf Platz zwei. In der Europa League schaffte man den Einzug in die Gruppenphase. Dort scheiterte man – in Wahrheit unnötig – jedoch knapp am Aufstieg ins Sechzehntelfinale.

Die Veilchen erreichten also ihr Minimalziel. Man hatte im Saisonverlauf durchaus das berechtigte Gefühl, dass sportlich mehr möglich gewesen wäre. Schwächephasen über mehrere Spiele, sowie vermeidbare Fehler in Schlüsselspielen, bremste die Mannschaft ein. Austria Wien hat einen Schritt in der sportlichen Entwicklung genommen. Diesen gilt es in der nächsten Saison zu bestätigen. Sollte man dann noch Schwächephasen abstellen und den Kader auf einigen Positionen besser besetzen, sollten die Veilchen näher an den heimischen Klassenprimus aus der Mozartstadt heranrücken.

Fazit und Ausblick
Austria Wien hat in der Saison 2016/17 gefühlt eineinhalb Schritte in der sportlichen Entwicklung genommen. Die sprichwörtliche Handschrift von Trainer Thorsten Fink ist gut und deutlich erkennbar. In der abgelaufenen Spielzeit machte die Männer aus Favoriten einen Schritt in die richtige Richtung. Aber einige sind noch zu tun.

In wichtigen Spielen und in einigen Spielsituationen gegen individuell stärkere Gegner ist spürbar, dass die Veilchen noch „zu grün“ sind. Die Spieler haben viel an Erfahrung gesammelt. Gelingt es den Kader beisammen zu halten, ihn eventuell punktuell zu verstärken (zentrales Mittelfeld, Offensive) gepaart mit einem weiteren Entwicklungsschritt, ist für die Veilchen in der kommenden Saison einiges möglich. Eine Schwächephase dürfte sich FC Red Bull Salzburg dann definitiv nicht erlauben.

Sturm Graz – die „Wundertüte“ aus der Steiermark
Die Saison 2016/17 endet für Sturm Graz mit einem Platz in der Europa League-Qualifikation. Irgendwie hat man rückblickend das Gefühl, dass durchaus mehr möglich gewesen wäre. Bis zur 18. Runde lag Sturm Graz an der Tabellenspitze.

Es folgte resultatstechnisch eine Berg- und Talfahrt, welche am Ende zu Tabellenplatz drei führte. Für viele Beobachter war der Schlüsselmoment nicht auf dem Spielfeld, sondern am grünen Tisch. Der Verkauf von Mittelfeldspieler Uros Matic zum Jahreswechsel zum FC Kopenhagen war ein entscheidender Qualitätsverlust, von dem sich die Steirer im Frühjahr nicht erholen konnten. Um in die Europa League-Gruppenphase einzuziehen gilt es diese Position adäquat – im Idealfall doppelt – zu besetzen.

Fazit und Ausblick
Quo vadis, Sturm Graz? Schafft es Günther Kreissl für die kommende Saison einen Volltreffer wie Matic zu landen, werden die Blackies wieder ganz oben anklopfen und ein Wort um die Europa League Plätze mitreden. Präsentieren sich die Steirer so wie im Frühjahr, wird es wohl schwer werden europäisch zu spielen. Eine erfolgreiche Transferperiode ist für Sturm Graz äußerst wichtig und wäre ein Schlüssel des Erfolgs für die Saison 2017/18.

SCR Altach – im Herbst hui, im Frühjahr pfui
Die Saison von SCR Altach lässt sich auf zwei Teile spalten. Im Herbst war man unter Trainer Damir Canadi das Überraschungsteam der Liga. Nach der Winterpause kam man jedoch nicht mehr richtig auf Touren. Die Ursachen dafür waren vielfältig. Der äußerst erfolgreiche Herbst hatte Spuren hinterlassen. Erfolgstrainer Damir Canadi hörte den Ruf aus Hütteldorf und brachte es auf eine wenig erfolgreiche Zeit beim Rekordmeister Rapid. Der bärenstarke Herbst hat nicht nur Begehrlichkeiten auf der Trainerseite geweckt. Auch einigen Spielern wurden mit Angebote gelockt. So war es irgendwo vorprogrammiert, dass beim SCR Altach der Fokus verloren ging. In der neuen Saison gilt es diesen wieder zu finden.

Fazit und Ausblick
SCR Altach wird als positive Überraschung der Saison 2016/17 in die Geschichtsbücher eingehen. Eine derart sensationelle Herbstsaison war für die Vorarlberger aufgrund der Rahmenbedingungen schwer zu duplizieren.

SCR Altach startete in die Saison als Team aus dem unteren Mittelfeld. Realistisch betrachtet ist das auch die Region wo die Vorarlberger in der Saison 17/18 zu finden sein werden. Die Entscheidung, wer nächster Trainer wrid gilt mittelfristig als Richtungweisend. Mit einem mittleren sportlichen Wunder wie im Herbst der soeben abgelaufenen Saison wäre es durchaus möglich – mit intelligenten Verstärkungen – wieder zum Favoritenschreck zu werden.

Rapid Wien – der potentielle „Bullen-Jäger“ und die Alptraum-Saison 2016/17
Es war geplant als der große Angriff auf Red Bull Salzburg. Am Ende wäre beinahe der Super-Gau gestanden. Mit der neuen Heimstätte dem Allianz-Stadion, dem teuersten Kader der Vereinsgeschichte, einem neuen Trainer und Rekordbudget waren die Vorzeichen für eine potentielle Saison der Superlative. Doch es kam anders. Rapid Wien stand sehr lange im Abstiegskampf. Was nach einem Artikel eines Satireportals klingt war lange Realität.

Am Ende stehen der geschaffte Klassenerhalt und der Einzug ins ÖFB Cup-Finale. Rapid Wien wird die Saison 2016/17 gerne rasch vergessen wollen. Aus der Alptraumspielzeit gilt es jedoch die richtigen Schlüsse zu ziehen. Weil ein teurer, qualitativ hochwertiger Kader ist noch lange kein Selbstläufer, um sich in der heimischen Bundesliga sich zumindest einen Platz in der Europa League-Qualifikation zu erreichen. Mit dem vorhandenen Personal sollte dies eigentlich als „erreichbares Minimalziel“ anzusehen sein.

Fazit und Ausblick
Ein Zitat aus dem Falco Song „Emotional“ bringt die Sache auf dem Punkt: „Was soll ich Dir noch sagen – es ist doch alles schon gesagt!“

Die Saison von Rapid wird unter die Rubrik „Alptraum“ abgelegt und wohl nur Statistikfreaks hervorgekramt werden. Sportdirektor Bickel wird im Sommer personell keine großen Sprünge unternehmen können. Auf den kommenden Trainer wartet eine Mammutaufgabe. Schafft er es die „Untrainierbaren“ langfristig zu zähmen, werden die Hütteldorfer in der Bundesliga Saison 2017/18 mit an der Tabellenspitze stehen und um den Meistertitel mitspielen. Gelingt es nicht, droht eine Fortsetzung einer Saison die ein Alptraum für alle Beteilige war.

Richtungweisend wird hier definitiv die Transferperiode werden. Wer verlässt den Verein und kann der Sportvorstand diese Abgänge adäquat ersetzen? Fragen über Fragen stehen über den Hütteldorfern. Die Antwort darauf wird die mittelfristige Zukunft liefern.

31.05.2017