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© Sportreport

Mega-Überraschung im zweiten Halbfinalmatch beim WTA-Turnier „Upper Austria Ladies Linz 2018.“ Die 23-jährige Qualifikantin Eketarina Alexandrova bezwang am Samstagnachmittag die hohe Favoritin Andrea Petkovic mit 0:6, 6:4, 6:0! Finalgegnerin der Russin ist die Italienerin Camila Giorgi, die sich gegen die Belgierin Alison van Uytvanck mit 6:3, 6:4 durchgesetzt hat.

Die Tennisfans in der Linzer TipsArena spekulierten bereits mit einem „Traumfinale“ zwischen Camila Giorgi und Andrea Petkovic. Denn die 30-jährige Deutsche erteilte ihrer Gegnerin Ekterina Alexandrova im ersten Satz eine Lehrstunde. Nach dem 6:0 von „Petko“ zweifelte wohl niemand mehr am Einzug der routinierten Deutschen ins Finale des „Upper Austria Ladies Linz.“ Doch manchmal kommt es eben anders, als man denkt!

Im zweiten Satz schwächelte Petkovic bei ihrem ersten Aufschlag, die Deutsche verlor ihre zuvor gezeigte Souveränität, während sich die Russin in einen Spielrausch steigerte und Petkovic im dritten Satz völlig entnervte. „Es ist unglaublich, ich habe in der Qualifikation gespielt und stehe jetzt im Finale. Als ich die Auslosung gesehen habe, habe ich gedacht, ich verliere in der ersten oder zweiten Runde. Als ich nach dem 0:6 im ersten Satz mein erstes Game gewonnen habe, ist mein Selbstvertrauen zurück gekommen und ich bin immer besser geworden. Ich spiele gerne in der Halle. Und bei diesem Turnier mag ich alles.“

Hat sie ein Vorbild? „Ja, Serena ist mein großes Vorbild. Ich hoffe, dass sie noch zwei Jahre länger spielt, damit ich vielleicht einmal gegen sie spielen kann“, sagte Alexandrova.

9274 Euro Preisgeld für das Erreichen des Halbfinales sind für Andrea Petkovic nicht wirklich ein Trost für diese herbe Enttäuschung. „Im zweiten Satz hat sie alles riskiert, hat sehr unorthodox gespielt und ist dafür belohnt worden. Das ist jetzt meine dritte Halbfinalniederlage in diesem Jahr. Für meine Gegnerinnen ist es wohl ein Traum geworden, ein Halbfinale gegen Petko zu spielen.“ „Petko“ hat sehr viel Größe gezeigt nach der Niederlage!

Ihre Bezwingerin Alexandrowa hat in ihrer Karriere übrigens noch kein WTA-Turnier gewonnen, im aktuellen WTA-Ranking liegt sie an 119. Stelle.

„Die Gegnerin ist mir egal“
Hat Camila Giorgi eine Präferenz für das Endspiel? „Nein. Mir ist es egal, wer meine Gegnerin im Finale ist. Ich spiele mein Spiel“, erklärte Giorgi (Nr. 59 der Welt) nach ihrem Erfolg über Alison van Uytvanck selbstbewusst. Top-gestylt kam die italienische Finalistin zum Pressegespräch, während gerade das zweite Halbfinale gespielt wurde. Sehr redselig war sie allerdings nicht. Ganz anders als auf dem Platz, wo sie vor Temperament sprüht. „Ich liebe es, hier in Linz zu sein“, meinte Giorgi, deren Vater aus Argentinien stammt, die Mutter ist Italienerin.

Beim Linzer Tennisklassiker war Camila Giorgi bereits im Finale: 2014 unterlag sie nach einem dramatischen Match der Tschechin Karolina Pliskova mit 7:6 (7/4), 3:6, 6:7 (4/7). Ihren einzigen Finaltriumph in einem WTA-Turnier feierte die Italienerin 2015 in Hertogenbosch.

Das Einzelfinale beginnt am Sonntag um 14 Uhr, anschließend folgt das Doppel-Endspiel!

Trainerdiskussion mit Experten: „Ob Mann oder Frau spielt keine Rolle!“ Oder doch?
„Wieso gibt es nur wenige Trainerinnen im Sport?“ Zu diesem spannenden Thema gab es am Samstagmittag eine Podiumsdiskussion beim „Upper Austria Ladies Linz“ mit Judy Murray, Barbara Schett, Iva Majoli und Gebhard Gritsch.

„Viele Frauen auf der Tour fühlen sich mit einem Mann als Coach sicherer“, sagte die berühmte Trainerin Judy Murray, die mit ihrem „Miss Hits“-Konzept ein besonderes Trainingsprogramm für junge Mädchen entwickelt hat. „Es gibt keinen Grund, weshalb Frauen kein Coach sein können.“ Gebhard Gritsch, Fitness-Coach von Tennis-Weltstar Novak Djokovic, ergänzte: „Wenn du die Persönlichkeit hast, Coach zu sein, dann spielt es keine Rolle, ob du ein Mann oder eine Frau bist.“

„Viele Frauen wollen nicht das ganze Jahr über durch die Welt reisen“, sagte Iva Majoli, French Open-Siegerin von 1997. „Die Arbeit als Coach und Familie unter einen Hut zu bekommen, das ist eine Herausforderung.“ Majoli hat selbst eine Tochter und arbeitete eine Weile als Coach für die aktuelle kroatische Top-Spielerin Donna Vekic. „Mit Donna auf der WTA-Tour zu reisen und meine Tochter nicht zu sehen, das war schon schwierig“, sagte die ehemalige Nummer vier der Weltrangliste.

„In Österreich gibt es viele großartige Trainerinnen. Ständig unterwegs zu sein, das können sich aber viele nicht vorstellen“, sagte Barbara Schett, Turnierbotschafterin des „Upper Austria Ladies Linz“. „Meine erste Trainerin war eine Frau. Aber du wählst nicht Mann oder Frau, du entscheidest dich für die Person.“

Trainerinnen könnten besser auf die Bedürfnisse junger Mädchen eingehen, sagte Judy Murray. „Wir brauchen mehr Frauen, die gerade Mädchen und junge Frauen verstehen und auf deren Bedürfnisse eingehen.“ Iva Majoli ergänzte: „Für Donna war ich auf der Tour nicht nur Coach, sondern auch eine Freundin und manchmal sogar die Mutter.“

Mit ihrem „Miss Hits“-Programm will Judy Murray mehr Mädchen für den Tennissport begeistern. Im Training kommen Luftballons, Hula Hoop-Reifen und Tücher zum Einsatz, zum Aufwärmen wird getanzt. „In Schottland hören viele Mädchen mit dem Tennis auf. Das ist schade. Meist liegt es daran, dass sie sich nicht mit den Jungs messen wollen und zu viel Druck aufgebaut wird.“

Im Bild von links: Judy Murray, Iva Majoli, Gebhard Gritsch, Barbara Schett. Bildnachweis: Cityfoto. Das Bild ist honorarfrei zu verwenden.

13.10.2018