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Es war das erwartet schwere Ausscheidungsfahren im Straßenrennen der Männer über 258,2 Kilometer in der Emilia-Romagna. Der Titel ging nach neun Runden an den Franzosen Julian Alaphilippe, der große Titelfavorit Wout van Aert aus Belgien wurde Zweiter und um Reifenbreite eroberte der Schweizer Marc Hirschi die Bronzemedaille. Bester Österreicher wurde Sebastian Schönberger auf Rang 54.

„Es war ein brutal schweres Rennen, wie vorhergesagt. Ich bin noch selten so ein schweres Rennen gefahren. Von Kilometer 0 weg war die Hektik da und das um und auf war die Positionierung im Feld“, schilderte der Innviertler, der vom Österreichischen Sextett die Kapitänsrolle übernahm. „Wir haben uns gut präsentiert, hatten einen Fahrer in der Spitzengruppe und die Mannschaft hat einen super Job für mich gemacht. Danke an die Jungs dafür“, schilderte der 26-Jährige, der in Imola sein WM-Debüt im Team gab.

„Der Kurs war gut, hat mir gefallen, als es in der drittletzten Runde zur ersten Vorselektion kam, war ich noch gut dabei. In der vorletzten Runde war ich am Berg dann leider zu weit hinten und dann war es vorbei“, erklärte Schönberger abschließend. Als einziger Österreicher überlebte er das Ausscheidungsrennen über 258,2 Kilometer und erreichte das Ziel mit einem Rückstand von 15:25 Minuten nach dem neuen Weltmeister aus Frankreich.

Das junge rot-weiß-rote Team, gleich vier Fahrer der Kategorie U23 standen im Aufgebot, zeigte sich von Beginn an aktiv und besetzte mit Debütant Marco Friedrich die erste Ausreißergruppe. „Es war wunderschön, das Ambiente war weltkasse und es war toll da an der Spitze zu fahren“, berichtete der Steirer. Gemeinsam mit sechs Kontrahenten machte er sich früh auf und zeigte das Nationalteamtrikot an der Spitze des Rennens

In der ersten von neun Runden fuhren die Ausreißer gleich sechs Minuten auf das Feld heraus, wo dann die Schweizer die Nachführarbeit leisteten und die Gruppe an der Spitze kontrollierte. Der Vorsprung pendelte sich zwischen sechs und sieben Minuten ein. „Zu Beginn war das Tempo noch gut, ab der dritten Runde wurde es schneller. Wir hatten schon sieben Minuten rausgefahren, dann haben bei mir leider die Beine zugemacht“, erklärte der 22-Jährige, der dann zu Beginn der fünften Runde am Mazzolano-Berg abreißen lassen musste.

Eine Runde später war es auch um die letzten Ausreißer geschehen und das Ausscheidungsrennen im Feld begann. Zuerst war es Toursieger Tadej Pogacar mit einer Attacke, die dann eingangs der letzten Runde von Tom Dumoulin neutralisiert wurde. Am letzten Anstieg des mit über 5.000 Höhenmeter gespickten Rennens setzte sich dann Alaphilippe ab und der Franzose fuhr zum ersten Titel für die Grande Nation seit 1997.

ERGEBNIS:
GOLD: Julian Alaphilippe (FRA) 6:38:34 (38.87 km/h)
SILBER: Wout van Aert (BEL) + 0:24
BRONZE: Marc Hirschi (SUI) + 0:24
54. Sebastian Schönberger (AUT) + 15:25
. Felix Gall (AUT) DNF
. Riccardo Zoidl (AUT) DNF
. Marco Friedrich (AUT) DNF
. Markus Wildauer (AUT) DNF
. Tobias Bayer (AUT) DNF

PROGRAMM:
Donnerstag, 24. September
Elite Frauen Einzelzeitfahren über 32 km
Ergebnis:

GOLD: Anna van der Breggen (NED) 40:20 Minuten (47.157 km/h)
SILBER: Marlen Reusser (SUI) + 0:15
BRONZE: Ellen van Dijk (NED) + 0:31
18. Anna Kiesenhofer (AUT) + 2:30

Freitag, 25. September
Elite Männer Einzelzeitfahren über 32 km
Ergebnis:

GOLD: Filippo Ganna (ITA) 35:54 (52.981 km/h)
SILBER: Wout van Aert (BEL) + 0:26
BRONZE: Stefan Küng (SUI) + 0:29
27. Matthias Brändle (AUT) + 2:34
46. Felix Ritzinger (AUT) + 4:26

Samstag, 26. September
Elite Frauen Straßenrennen über 144 km (5 Runden)
Ergebnis:

GOLD: Anna van der Breggen (NED)
SILBER: Annemiek van Vleuten (NED)
BRONZE: Elisa Longo Borghini (ITA)
44. Anna Kiesenhofer + 11:53
86. Sarah Rijkes + 23:42
. Angelika Tazreiter (AUT) DNF

Sonntag, 27. September
Elite Männer Straßenrennen über 259 km (9 Runden)

AUFGEBOT:
Zeitfahren:
Elite Frauen:

Anna Kiesenhofer / 29 Jahre / Niederösterreich / Cookina Graz

Elite Männer:
Matthias Brändle / 30 Jahre / Vorarlberg / Israel Start-Up Nation
Felix Ritzinger / 23 Jahre / Wien / WSA KTM Graz

Straßenrennen:
Elite Männer:

Tobias Bayer / 20 Jahre / Oberösterreich / Tirol KTM Cycling Team
Felix Gall / 22 Jahre / Tirol / Team Sunweb
Marco Friedrich / 22 Jahre / Steiermark / Tirol KTM Cycling Team
Sebastian Schönberger / 26 Jahre / Oberösterreich / B&B Hotels – Vital Concept p/b KTM
Markus Wildauer / 22 Jahre / Tirol / Tirol KTM Cycling Team
Riccardo Zoidl / 32 Jahre / Oberösterreich / Felbermayr Simplon Wels

Elite Frauen:
Anna Kiesenhofer / 29 Jahre / Niederösterreich / Cookina Graz
Sarah Rijkes / 29 Jahre / Niederösterreich / Ceratizit WNT Pro Cycling
Angelika Tazreiter / 33 Jahre / Niederösterreich / Cookina Graz
 


 
Hirschbichler und Hartl gewinnen Abschluss der ATTS in Vorarlberg – Gesamtsiege an Auer und Hartl
In Nenzing in Vorarlberg, normalerweise Austragungsort des gleichnamigen Straßen Grand Prix, fand am Sonntag der Abschluss der Austrian Time Trial Series statt. Aufgrund der Corona-Bestimmungen wurde die Zeitfahrserie, die insgesamt aus sechs Rennen bestand, im Juli ins Leben gerufen vom Österreichischen Radsportverband. Der Steirer Daniel Auer (WSA KTM Graz) und die Deutsche Manuela Hartl (Cookina Graz) kürten sich zu den ersten Gesamtsiegern.

Auer, der mit dem Auftakt auf der Postalm und am Grazer Flughafen Siege einfahren konnte, wurde in Nenzing etwas überraschend Zweiter hinter dem Salzburger Johannes Hirschbichler (Union Raiffeisen Radteam Tirol), der für die 45 Kilometer lange Strecke 56:17 Minuten benötigte. „Es lief überraschend gut. Ich wusste, dass die Form gut ist, aber mit dem zweiten Platz habe ich nicht gerechnet“, berichtete Auer, der dem Veranstalter ein großes Lob aussprach: „Die Strecke war super abgesichert. Es war ein Topevent und ein würdiger Abschluss der Serie. Für die kühlen Temperaturen konnten die Veranstalter ja nichts.“

Denn nach dem Kälteeinbruch im Westen Österreichs empfingen die Fahrer beim Einfahren noch Temperaturen im einstelligen Bereich am frühen Morgen. Mit dem Start der Elite kam dann auch die Sonne und machte das spätherbstliche Wetter etwas angenehmer. „Das Einzelzeitfahren ist ja meine Spezialdisziplin und ich wollte unbedingt in dieser Saison noch einen Sieg einfahren“, erzählte Hirschbichler, dem das sozusagen am letzten Abdrücker auch gelang: „Bislang hat immer eine Kleinigkeit gefehlt, umso glücklicher bin ich, dass es heute gelungen ist.“

Hinter dem Franzosen Alexis Guerin (Vorarlberg-Santic) landete WM-Teilnehmer Felix Ritzinger auf dem vierten Rang. 48 Stunden zuvor war er noch im Einzelzeitfahren in Imola erstmals im ÖRV-Trikot am Start bei Straßenweltmeisterschaften gestanden. „Nach der WM ist mir ein bisschen der Saft ausgegangen. Aber auch in Nenzing war viel los, der Kurs ist wunderschön. Leider waren halt andere Fahrer heute schneller als ich.“ Fünfter wurde mit Florian Lippowitz (Tirol KTM Cycling Team) der beste U23-Fahrer.

Mit einem Sieg im finalen Rennen der Serie sicherte sich Hartl überlegen den Gesamtsieg der ATTS. Die Deutsche stand in vier der sechs Rennen am Podium, gewann am Salzburgring und nun auch in Nenzing. „Die Strecke hier hat mir brutal gefallen. Das ist mein Lieblingsterrain. Die Temperaturen waren jetzt nicht so günstig, aber ich mag es eigentlich eh lieber, wenn es nicht zu heiß ist“, erklärte die 44-Jährige. Mit einem Vorsprung von 1:26 Minuten gewann sie vor Sylvia Gehnböck (RC Format). „Ich habe mich sehr schwer getan und bin froh, dass ich mit dem zweiten Rang in Nenzing auch den zweiten Rang in der Gesamtwertung absichern konnte“, schilderte die Oberösterreicherin Gehnböck.

Auf dem dritten Platz in Nenzing und auch in der Gesamtwertung der ATTS landete dei Tirolerin Gabriela Erharter (La Musette Radunion). Vierte wurde die Schweizer U23-Fahrerin Lara Krähemann (Cogeas Mettler Look) vor der Niederösterreicherin Alina Reichert (Union Radrennteam Pielachtal).

Gutes Feedback für neues Cupformat
Die Corona-Krise und die damit verbundenen Eventbeschränkungen waren der Grund für die Gründung und Installierung der Austrian Time Trial Series als Ersatz für die Radbundesliga. Insgesamt sechs Rennen konnten erfolgreich durchgeführt werden, der Bobbahnsprint in Innsbruck-Igls fiel wetterbedingt leider aus. „Die Serie war super, weil die unterschiedlichen Rennformate für Abwechslung sorgten“, erklärte Hartl, Gesamtsiegerin bei den Frauen.

Angefangen vom intensiven Sprintauftakt über mehrere Runden auf der Postalm bis hin zum Zeitfahren auf der Motorsportrennstrecke am Salzburgring, der schweren Bergprüfung hinauf zum Hochkar, den Meisterschaften im Burgenland, dem Flughafensprint in Graz und jetzt dem Finale in Nenzing konnte die neu geschaffene Serie absolute Highlights setzen. „Wir können mit der Umsetzung der Rennen sehr zufrieden sein. Ich möchte mich bei allen Veranstaltern bedanken, die uns nicht nur in dieser für den Radsport so schweren Zeit unterstützt haben, sondern auch wirkliche Highlights mit ihrem Engagement und Ideen geschaffen haben“, freute sich ATTS-Projektkoordinator Christoph Hugl.

„Wenn es das Format 2021 wieder gibt, dann bin ich sicher dabei“, sagte Gesamtsieger Auer. Sein persönliches Highlight war natürlich der Rennsieg am Grazer Flughafen beim Heimevent für sein Team. Auch WM-Starter Ritzinger attestierte der Serie ein gutes Zeugnis: „Für uns Spezialisten ist die Serie wunderschön, weil wir normalerweise nicht so viele Zeitfahrrennen in Österreich haben.“ Auch der Sieger von Nenzing und letztjährige EM-Teilnehmer Hirschbichler kündigte sein Kommen an, wenn die Serie 2021 ihre Fortsetzung findet. „Ich denke die ATTS war richtig attraktiv für uns Fahrer, aber auch für die Zuseher“, erklärte der Salzburger.

Die Top drei der Frauengesamtwertung lobten vor allem die große Abwechslung durch die unterschiedlichen Rennformate. „Da hat sich der Radsportverband echt was überlegt mit diesen vielen Rennen und Formaten“, erklärte Gehnböck und die Gesamtdritte Erharter fügte an: „Es war echt schön, dass so viele verschiedene Fahrertypen angesprochen wurden. Hoffentlich gibt es das nächstes Jahr wieder.“

Ergebnisse:
Männer:

1. Johannes Hirschbichker (AUT/Union Raiffeisen Radteam Tirol) 56:17
2. Daniel Auer (AUT/WSA KTM Graz) + 0:14
3. Alexis Guerin (FRA/Vorarlberg – Santic) + 0:21
4. Felix Ritzinger (AUT/WSA KTM Graz) + 0:45
5. Florian Lipowitz (GER/Tirol KTM Cycling Team) + 0:50

Presseinfo Österreichischer Radsportverband

27.09.2020


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