Chris James: „Die Niederlage in Graz war wichtig für uns“

Wikinger Chris James im sportreport-Interview über wichtige Niederlagen, laute Fans und warum er nicht in die Schlagzeilen will.

Sportreport: Chris, willkommen zurück in Wien. Wie war die Saison bisher für dich?
Chris James: Zum Saisonstart war eines klar. Die Raiders und wir sind die Topteams. Jeder möchte uns schlagen. Jeder kann jeden schlagen. Es gibt kein einziges Spiel, das einfach ist. Ein klarer Sieg bringt dir wenig. Nur in knappen Spielen – wie eben gegen die Raiders – kannst du lernen, dich zu verbessern. Generell haben sich viele österreichische Spieler verbessert. Es wird noch eine tolle und sehr spannende Saison werden.

Sportreport: Du hast angesprochen, dass die Raiders und Vikings wohl die Topfavoriten sind. Denkst du, dass die beiden Finali das realistische Ziel für die Vikings sind? Oder entscheidet bei den „großen Vier“ wirklich nur die Tagesform?
Chris James: Jedes der Topteams hat bereits eine Niederlage. Ich denke, unsere Niederlage in Graz war wichtig für uns. Klingt komisch, aber wir sind ein Team, das in jedem Spielzug hart arbeiten muss. Nichts ist selbstverständlich für die Vikings. Beim Heimsieg gegen die Raiders hat es bereits deutlich besser funktioniert. Wir haben unsere Positionen gespielt – jeder kennt seine Aufgabe.

Sportreport: Du hast das Spiel gegen die Raiders angesprochen. Es war Spannung pur für alle Zuschauer im Stadion. Wie war es für dich als Spieler?
Chris James: (strahlt) Das war großartig. Die Fans waren einfach toll. Es war so laut, dass man auf dem Feld kaum etwas verstehen konnte. Je lauter die Fans sind, desto besser ist es für uns als Spieler. Das sind generell die Momente, die das Salz in der Suppe eines Footballspielers sind.

Sportreport: Dein Bruder hat das Spiel gegen die Raiders live im Stadion gesehen. Wie war das für dich?
Chris James: Er hat mich immer großartig unterstützt. Es war ein besonderes Spiel für mich. Ich wollte ihm zeigen, was wir hier als Team leisten und ihm einen Einblick in die Vikings-Teamorganisation geben.
Er ist mit seiner Armeeeinheit in Kuwait stationiert und hatte zwei Wochen Urlaub. Ich habe ihm Wien gezeigt. Gott sei Dank hatten wir ein Heimspiel und er konnte auch unsere tollen Fans erleben (Anm.: Bruder Keith James nickt). Ihm dann noch einen Sieg schenken zu dürfen, ist mit Sicherheit ein bleibendes Erlebnis für mich.

Sportreport: Du hast die Bedeutung der Niederlage in Graz angesprochen. Was habt ihr aus der Niederlage gegen die Giants für Lehren gezogen und was könnt ihr aus dem Sieg gegen die Raiders gelernt haben?
Chris James: Kein Sportler mag Niederlagen. Jeder möchte immer gewinnen. Ich denke, wir hatten heuer im Spielplan ein Problem. Die Grazer waren unser erster echter Gradmesser. Da haben wir gesehen, worin wir gut waren – wir haben aber auch gesehen, wo wir Schwächen hatten. Unsere Lehren aus der Graz-Niederlage haben wir gezogen und vieles hat gegen die Raiders schon gut funktioniert. Aber natürlich müssen wir noch besser werden. Die Saison ist noch lange.

Sportreport: Letztes Jahr hast du gemeint, dass die Saisonvorbereitung für dich hart war. Wie war sie heuer?
Chris James: Es war sehr hart für mich – es wird von Jahr zu Jahr härter. Es ist nicht einfach, nach Hause zu fahren und allein zu trainieren. Heuer muss ich bei den Vikings bedanken. Es war sehr gut für mich, dass ich früher nach Wien geholt wurde. So war es möglich sportlich – und als Mannschaft – schneller zusammenzufinden. Aber in diesem Team ist es sowieso einfach zu spielen.

Sportreport: Es ist nicht dein erstes Jahr bei den Vikings. Welchen Stellenwert hat Wien für dich mittlerweile?
Chris James: Wien ist ein besonderer Ort für mich. Ich lerne immer mehr Menschen kennen und sie sind alle großartig. Ich weiß, dass klingt komisch aber so ist es in Wahrheit. Die Vikings und viele Personen herum helfen mir, dass ich mich wohl fühle. Es ist nicht einfach, wenn du als Fremder in eine Stadt kommst. Aber die Menschen hier machen es mir einfacher. So kann ich eines mit Stolz und Demut sagen: Die Menschen in Wien sind besonders für mich.

Sportreport: Rückblickend betrachtet – wie würdest du deinen Schritt damals beurteilen, dass du dich für die Vikings entschieden hast?
Chris James: Es war wohl einer der besten Entscheidungen meines Lebens. Ich würde nichts anders machen. Mit diesen Mannschaftskollegen (Anm.: blickt in eine Gruppe von Spielern) – es war wirklich eine der besten Entscheidungen meines Lebens nach Wien zu den Vikings zu kommen.

Sportreport: Für dich als Amerikaner ist natürlich auch ein anderes Thema sehr wichtig. Wie geht es dir mit der deutschen Sprache?
Chris James: (lacht und antwortet in Deutsch) Schlecht! Aber ich lerne und verbessere mich. Ich kann natürlich schon einige Dinge sagen. Aber ich besuche einen Kurs, um mich weiter zu verbessern.

Sportreport: Lass uns wieder über die Vikings sprechen. Jedes Team in der AFL hat jetzt mindestens eine Niederlage: Was wartet am Ende des Weges für die Vikings? Was könnt ihr erreichen?
Chris James: (antwortet sehr bestimmt und äußerst rasch) Meisterschaften! Damit meine ich die Austrian Bowl und die Euro Bowl! Ich denke, erst nach einer Niederlage zeigt sich, welchen Charakter eine Mannschaft hat. Wenn du zum ersten Mal verlierst, spürst du Gegenwind. Dann zeigt ein Team sein wahres Gesicht. Was ich gesehen habe, stimmt mich sehr positiv. Natürlich wird es eine harte Saison für uns. Es wird kein Spaziergang. Aber wir pushen uns und wir werden von Spiel zu Spiel besser.

Sportreport: Welche Schlagzeile würdest du gerne nach der Saison über deine Person lesen – welche würdest du gerne über die Vikings sehen?
Chris James: Über mich? Gar keine! Ich bin ein Teil der Mannschaft! Über mich brauche ich nichts lesen. Ich bin dankbar mit meinen Mitspielern auf dem Spielfeld stehen zu dürfen.
Über das Team? Vikings gewinnen Austrian und Euro Bowl und haben eine großartige Saison. (schmunzelt) Über die Party danach sollte dann nichts in den Medien stehen, oder?

25.04.2011


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