Andreas Ogris bei „DAB | Der Audiobeweis“ über das anstehende Wiener Derby: „Man merkt jetzt schon ein bisschen auf der Straße, dass sich die Stadt in zwei Hälften teilt“

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Zu Gast in der 100. Folge des Sky Sport Austria Podcast „DAB | Der Audiobeweis“ waren Austria-Wien-Legende Andreas Ogris und TV Experte Alfred Tatar.

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Andreas Ogris (Legende FK Austria Wien):
… über die aktuelle Situation der Austria und die Chancen der Wiener auf die Meisterrunde: „Ich sehe mit gemischten Gefühlen, dass sich die Austria trotz allem noch immer ein bisschen weiterentwickelt und dass sie noch immer die Chance hat, unter die Top 6 zu kommen. Aber es wird natürlich sehr schwierig werden: Das große Wiener Derby steht vor der Tür, anschließend Sturm auswärts und WAC daheim – das ist kein leichtes Restprogramm. Also es wird schwierig, aber ich drücke natürlich die Daumen.“

… über mögliche Fehler der Austria in den letzten Jahren in sportlicher wie auch finanzieller Hinsicht: „Es steht mir eigentlich nicht zu über die Fehler zu sprechen, aber dass welche passiert sind, ist augenscheinlich, weil die Austria jetzt nicht nur aufgrund der Pandemie so schlecht dasteht, sondern sie sind ja schon vorher so schlecht dagestanden. Das heißt: Wir haben Fehler gemacht. Wir haben in der Transferpolitik Fehler gemacht. Man wird sich wahrscheinlich auch ein bisschen übernommen haben mit dem Stadionbau, obwohl das notwendig war und wir ein ,Schmuckkastl‘ hingestellt haben, das muss man schon sagen. Aber wir haben uns da ein klein wenig übernommen und das kommt halt jetzt retour.“

… über die aktuelle Situation bei der Austria rund um den neuen Investor: „Jetzt sind wir angewiesen auf einen Investor, der schnell Geld zuschießt, weil sonst hätten wir wahrscheinlich Probleme gekriegt mit dem Lizenzierungsverfahren und in weiterer Folge dann auch mit dem Verbleib in der Bundesliga. Von daher muss man ja schon froh sein, dass man so einen kriegt. Wie die Aufteilung dann konkret sein wird, Entscheidungsträger hin, Entscheidungsträger her, das weiß ich nicht. Ich will nur, dass die Austria halt wieder nicht nur sportlich erfolgreich ist, sondern sich auch finanziell wieder festigt und in den sicheren Hafen hineinkommt.“

… über die Zukunft von Peter Stöger und Markus Kraetschmer bei der Austria: „Ich glaube, der Peter hat das eh schon öffentlich gemacht, dass er bis Mitte, Ende März eine Entscheidung treffen möchte, wie es mit ihm weitergeht. Mein Wissensstand ist, dass auch der Markus Kraetschmer weiter bleibt. Aber in welcher Position, das kann ich nicht sagen. Noch einmal: Es muss sich bei der Austria natürlich etwas ändern, weil man kann nicht einfach zu der Tagesordnung übergehen, sondern man muss dort auch die richtigen Schritte setzen – ob das jetzt der neue Investor macht oder ob man das vereinsintern klärt, ist vollkommen wurscht. Es muss etwas passieren, weil so wie man jetzt zuletzt gearbeitet hat, ist es nicht von Erfolg gekrönt gewesen.“

… über seine damalige Entlassung bei der Austria: „Diese Entscheidungen, dass du als Trainer entlassen wirst, das ist normal in dem Getriebe. Wenn du damit nicht umgehen kannst, dann solltest du es am besten auch gar nicht machen. Das ist so. Die Aussagen, die getätigt worden sind, warum und wieso, die kann ich nicht nachvollziehen. Und damit hat sich dieses Thema aber für mich auch schon erledigt. Ich habe eh lange Zeit nichts gesagt, aber irgendwann einmal ist es mir dann zu viel geworden und dann musste ich mich halt dazu äußern, weil meiner Meinung nach halt in vielen Bereichen Fehler passiert sind, die einer Austria nicht passieren dürfen. Und wenn dann Leute über fußballerische Qualität bei Spielern entscheiden, die von Fußball keine Ahnung haben, dann braucht man sich nicht wundern, dass man dort steht, wo man steht.“

… über das am Sonntag anstehende 332. Wiener Derby: „Es ist völlig offen, wer die Partie gewinnt, weil es immer völlig wurscht ist, wer wo in der Tabelle steht oder wer wo gut drauf ist. Im Derby sind schon so viele Sachen passiert, da hat der schwere Außenseiter den großen Favoriten dann eine eingeschenkt. Von daher freue ich mich auf das Match. Ich hoffe, dass es ein interessantes, ein spannendes und ein gutes Fußballspiel wird – das wäre ganz wichtig. Schade ist, dass wir keine Zuschauer haben, weil das Derby trotzdem immer wieder für eine ganz spezielle Stimmung sorgt. Man merkt halt auch jetzt schon ein bisschen auf der Straße – nicht mehr so extrem wie früher mal –, dass sich die Stadt ein bisschen in zwei Hälften teilt und der eine ist Rapid, der andere ist Austria. Wenn du in der Früh im Augarten herumrennst, dann kommen sie jetzt schon wieder mit den Rapid-Leiberl und die anderen mit den Austria-Leiberl raus. Du merkst, das Derby steht an, es knistert, auch die Berichterstattung in den Medien ist wiederum ein bisschen präsenter.“

… über den am Montag verstorbenen Ex-Rapid-Spieler Zlatko Kranjcar: „Zlatko Kranjcar war nicht nur ein herausragender Fußball-Spieler, sondern auch eine richtige Persönlichkeit und vor allen Dingen ein extrem sympathischer Mensch. Er war sehr bodenständig, sehr ruhig, aber sowas von sympathisch. Und am Fußballplatz war er natürlich ein Ausnahmekönner. Ich kann mich an nicht viele in Österreich erinnern, die so gekickt haben, wie er. Natürlich haben wir selbst auch welche gehabt: Wir haben Herbert Prohaska gehabt, wir haben Tibor Nyilasi in Österreich gesehen, wir haben Mario Kempes gesehen, wir haben auch den Alfred Tatar gesehen. (… ) Aber Zlatko Kranjcar war ein Ausnahmekönner. Und von daher tut es mir extrem leid, dass er leider viel zu früh von uns geht.“

Alfred Tatar (TV Experte):
… über den engen Kampf um die Plätze in der Meistergruppe: „Zum einen muss man bei diesen Analysen berücksichtigen, wer spielt noch gegen wen in den verbleibenden drei Runden. Zum zweiten: Wie ist jetzt der Punktestand inklusive Torverhältnis. Da hat natürlich der WAC ein wenig die Nase vorne, weil man einfach mehr Punkte auf dem Konto hat. Aber das dritte ist das aus meiner Sicht vielleicht Wichtigste: Wie ist die aktuelle Form, das sogenannte Momentum. Und von allen Beteiligten sehe ich einfach zurzeit, dass das bei der Wiener Austria eigentlich gemeinsam mit Hartberg am besten ist, während es für den WAC und für die WSG in dieser Hinsicht jetzt ein bisschen schwieriger ist. Daher: Wenn man alle diese Faktoren zusammenzählt, kann man sagen: Nichts genaues weiß man nicht.“

… auf die Frage, in welcher Position er sich Andi Ogris bei der Austria vorstellen könne: „Ich glaube, dass ein Mann wie Andi Ogris, der den Profifußball eigentlich von der Pike auf kennt – als Spieler und dann noch als Trainer – genau der richtige Mann wäre für diese Schnittstelle zwischen Amateure und Kampfmannschaft. Dort, wo man gar nicht so sehr die Trainingsinhalte, sondern auf der persönlichen Ebene, also im Lernen des Verstehens was Profifußball bedeutet, vermittelt. Das könnte ein Mann wie Andi Ogris extrem gut bewerkstelligen. Deshalb glaube ich, dass hier ein Potenzial brachliegt, auf das die Austria vielleicht zugreifen sollte.“

… über den am Montag verstorbenen Ex-Rapid-Spieler Zlatko Kranjcar: „Ich bin mit ihm oft im Café Anzengruber im 4. Bezirk gewesen. Wir sind am Tisch gesessen und haben über Fußball geplaudert. (…) Er war ein Top-Mensch, freundlich, zuvorkommend, wirklich 1A. Und als Spieler von einer Größe, die sieht man nicht jeden Tag. Blochin, Kempes und wer bei uns alles gespielt hat, auch Panenka zum Beispiel. Ich glaube, man kann ihn fast in diese Reihe stellen.“

DAB | Der Audiobeweis ist der Fußball- und Sport-Podcast von Sky Sport Austria. Hier diskutiert Kommentator Otto Rosenauer mit Moderator Martin Konrad, TV Experten und Gästen über die Tipico Bundesliga, das ÖFB-Team, Österreichs Legionäre und internationalen Fußball, wie die Deutsche Bundesliga, die Premier League, die UEFA Europa League sowie die UEFA Champions League.

Die neueste Folge ist ab sofort frei empfangbar auf skysportaustria.at/podcasts/dab-der-audiobeweis/ sowie auf den gängigen Plattformen Spotify, Apple Podcast, Google Podcast, FYEO und Deezer abrufbar

Presseinfo Sky Österreich

03.03.2021