FK Austria Wien-Spieler Johannes Handl und Sky Experte Peter Pacult waren zu Gast beim Sky Sport Austria Podcast „DAB|Der Audiobeweis“.
Johannes Handl (Spieler FK Austria Wien):
…über das GAK-Match: „Wir haben uns ein paar Videoszenen von gestern angeschaut. Der Trainer hat uns eigentlich schon gelobt, weil wir unser Gesicht gezeigt haben und den Fußball gespielt haben, den wir spielen wollen. Das ist uns über viele Phasen des Spiels gelungen. Die Tore haben wir dann natürlich zu leicht bekommen. Dass wir gewinnen wollten, ist auch klar. Das Ergebnis ist natürlich das Wichtigste, aber trotzdem finde ich, dass wir ein gutes Spiel gezeigt haben.“
…über die Handspielsituation gegen den GAK: „Natürlich ist es für den Verteidiger nicht leicht, die Hand aus anderthalb Metern Entfernung noch wegzubringen. Das ist sicher ein Argument, das man vertreten kann, aber ich glaube trotzdem, dass das keine klare Fehlentscheidung ist. Deswegen war es für uns Spieler unverständlich, dass der Schiedsrichter zum nochmaligen Überprüfen rausgeschickt wurde. Wenn es jetzt die ganze Saison über in jedem Spiel so entschieden wird, dann ist es für uns Spieler auch vertretbar. Aber wenn dann wieder so ein Elfmeter in einem anderen Spiel gegeben wird, ist es halt irgendwie schwer.“
…über die Defensive der Austria: „Wir haben die bisherigen Gegentore ganz genau analysiert. Ich glaube, dass wir grundsätzlich unser Spiel gegen und mit dem Ball eigentlich nicht verändert haben. Es ist nach wie vor dasselbe, was wir machen wollen, und das sieht man ja auch. Das sind halt Tore, die zustande kommen, weil wir vielleicht in der einen oder anderen Situation ein bisschen unkonzentriert sind. Es beginnt nicht nur in der Verteidigung, sondern schon weiter vorne, wo wir dann irgendwie abschalten und nicht richtig in einen Zweikampf gehen und so. Die Tore in Voitsberg waren zwei Standard-Tore, da fliegt der Ball zweimal beim Gegner runter im Fünfmeterraum und der schießt dann ins Tor. Natürlich kann man das, wenn man irgendwie einen Fuß reinhält, noch verhindern, aber das waren Tore, die wir wahrscheinlich in der letzten Saison nicht gekriegt haben.“
…über mögliche Transferangebote: „Ich beschäftige mich eigentlich nicht damit, bis wirklich etwas am Tisch liegt. Im Fußball wird sehr viel geredet und, solange nichts am Tisch liegt oder ein Angebot da ist, das mich überzeugt, beschäftige ich mich eigentlich nicht damit. Von daher glaube ich nicht, dass irgendwas passieren wird. Das Ziel war schon immer das Ausland – und ist es nach wie vor, wenn alles passen sollte. Unmöglich ist es nicht, aber ich fühle mich sehr wohl bei der Austria und das ist mittlerweile auch mein Verein.“
…über Ferdinand Feldhofer: „Ich glaube, den größten Einfluss auf meine Karriere hat Ferdinand Feldhofer gehabt. Er hat mich damals zu Lafnitz geholt. Ich wollte zu der Zeit eigentlich gar nicht mehr Fußball spielen. Ich bin vom Sturm weggegangen, weil ich damals einfach keine Freude mehr hatte. Es war für mich nur noch Druck und ich war viel verletzt. Ich wollte eigentlich nur noch Spaß haben beim Fußballspielen. Darum bin ich vom Sturm weggegangen. Ferdinand hat mich wieder aufgebaut. Er hat mir eigentlich wieder den Spaß am Fußball gegeben. Ich habe ihm gestern auch gesagt, dass ich ihm dankbar bin.“
…über Michael Wimmer: „Der Michi hat meinen Blick auf Fußball ein bisschen verändert. Dass ich in einer Dreierkette ein bisschen offensiver verteidigen kann, hatte ich vorher nicht so verinnerlicht. In der Viererkette war ich immer ein bisschen zögerlich und habe eher die Tiefe gesichert, als dass ich einmal nach vorne attackiert habe. Ich glaube, das war mit Michi Wimmer dann der größte Unterschied, verglichen mit meinem Spiel davor. Das war dann sehr wichtig für mich.“
…über Aleksandar Dragovic: „Das tut jeder Mannschaft gut, wenn man so jemanden wie ihn hat. So etwas kann auch nach hinten losgehen, wenn er glaubt, er müsse übertreiben. Aber er ist ein absolut guter Mensch und ein überragender Spieler noch dazu. Wenn er etwas sagt, ist das dann eben so und wir wissen ja, dass er weiß, wovon er redet, weil er schon sehr viel in seiner Karriere erlebt hat. Er tut uns absolut gut.“
…über die Zielsetzung der Austria: „Es ist immer schwierig, das nach außen zu erklären. Wir haben noch keine offizielle Zielsetzung. Die haben wir letzte Saison aber auch erst nach der Punkteteilung bekommen, weil ja am Anfang das Ziel war, über den Strich zu kommen. Das ist natürlich immer das Ziel. Aber aufgrund der letzten Saison haben wir Spieler schon höhere Ziele, die wir auch haben sollten, weil die Mannschaft eigentlich gleichgeblieben ist bzw. verstärkt wurde. Die Ligaphase der Conference League ist innerhalb der Mannschaft natürlich ein Ziel. Für mich als Spieler gibt’s sowieso nichts Schöneres, als alle drei bis vier Tage ein Spiel zu haben, weil man dann nicht so viel trainieren muss.“
…über den Weg in die UEFA Conference League: „Dass es nicht leicht wird, haben wir von vornherein gewusst. Auch in Georgien war es aufgrund der Hitze nicht leicht, auch wenn das Ergebnis deutlich war. Wir wissen aber auch, dass es eine Herausforderung ist und nur durch Herausforderungen wird man besser. Wir wollen am Donnerstag ein Zeichen setzen und wissen, dass wir gute Chancen haben, wenn wir zu 100 Prozent alles auf den Platz bringen. Wir schauen dann von Spiel zu Spiel.“
…über den Konkurrenzkampf bei der Austria: „Dass es auf meiner Position sehr viele gute Leute gibt, ist gut. Denn Konkurrenzkampf ist in einer Mannschaft wichtig. Wenn man dann alle drei Tage spielt, braucht man ihn auch, weil man ja nicht immer 90 Minuten spielen kann. Daher ist es sehr positiv.“
…über seine aktuelle Fitness: „Ich habe in der Vorbereitung ein bisschen zu kämpfen gehabt. Im letzten Spiel der vorigen Saison habe ich mich auswechseln lassen, weil ich einen blöden Schritt gemacht habe. Seitdem zwickt’s ein bisschen im Schambein und das trage ich schon in der ganzen Vorbereitung mit. Ich bin daher nicht bei 100 Prozent, was sehr an mir nagt. Deshalb habe ich wahrscheinlich noch nicht so viele Spielminuten bekommen, wie ich mir wünschen würde. Aber ich muss schauen, dass ich meine Leistungen im Training wieder bringen kann und dann hoffe ich, dass mich der Trainer wieder von Beginn an aufstellen wird.“
…über die finanziellen Schwierigkeiten der Austria: „Wenn es Schlagzeilen gibt, die wir Spieler mitbekommen, reden wir kurz darüber und wollen wissen, was Sache ist. Aber ich glaube es hat noch nie eine Situation gegeben, wo ein Spieler etwas nicht bekommen hat, was ihm zustünde. Das ist am Ende das Wichtigste.“
Peter Pacult (Sky Experte):
…über die Handspielsituation gegen den GAK: „Für mich ist das ein klarer Elfmeter. Sie müssen jetzt irgendwann einmal bei einer Regel bleiben. Dem Spieler gebe ich jetzt keine Schuld. Das ist eine natürliche Bewegung, dass du automatisch die Hände draußen hast. Absicht ist es wahrscheinlich auch nicht, aber er verbreitert sich in dem Moment und daher muss der Elfmeter eigentlich gegeben werden. Wir haben schon andere Szenen gehabt, wo bei so etwas dann Elfmeter gegeben wird. Ich verstehe den Herrn Ebner nicht, wieso er sich da beeinflussen lässt und nicht bei seiner Wahrnehmung bleibt, so wie er es richtig gesehen hat.“
…über die Qualität des Austria-Kaders: „Bei der Austria ist nicht sehr viel passiert, Prelec ist weggegangen, aber dafür hat man Eggestein geholt. Man ist trotz allem im Großen und Ganzen so geblieben. Was wehtun könnte, ist, wenn wirklich das eintrifft, was in letzter Zeit herumgeistert, nämlich, dass es auf einmal für drei Spieler Angebote gibt. Und das sind keine Spieler, die die Austria so schnell kompensieren könnte. Das sind drei Spieler, die letzte Saison der Austria ihren Stempel aufgedrückt haben und die auch gezeigt haben, dass sie sehr wertvoll für den Verein sind. Das zu kompensieren wird nicht so einfach. Aber wenn man sich die vergangene Saison anschaut, ist die Ordnung bei der Austria sehr gut.“
…über Handls Stärken und Schwächen: „Er hat zwar keine überragende Fähigkeiten, die ich als speziell bezeichnen würde. Aber er ist ein sehr wertvoller Abwehrspieler, der seine Leistung bringt. Schwächen hat man immer, aber bei ihm ist mir aufgefallen, dass er ein grundsolider Spieler ist, bei dem man sich als Stürmer immer schwertut. Er hat eine gute Grundschnelligkeit, er ist robust, er hat ein gutes Kopfballspiel, er ist körperlich in Ordnung und das sind Sachen, die man von einem Abwehrspieler auch sucht. Dass er ab und zu beim Passspiel vielleicht seine Probleme hatte, ist mir auch nicht verborgen geblieben. Aber für mich ist er ein verlässlicher und wichtiger Spieler in einer Abwehrreihe, weil er einfach seine Aufgabe, die der Trainer ihm mitgibt, zu sehr großen Teilen erledigt.“
…über den Vergleich zwischen Hinteregger und Dragovic: „Martin ist ein sehr ruhiger Spieler, der nicht permanent auf die Spieler zugeht. Wenn man einen Martin Hinteregger hernimmt, weiß man genau, was man für eine Leistung bekommt. Aber er ist jetzt nicht der Lautsprecher, der Spieler führt, weil er vom Typ her eine ganz andere Persönlichkeit ist. Aber die Spieler schauen natürlich wegen seiner Qualität zu ihm auf. Dragovic dagegen ist eher der verlängerte Arm des Trainers.“
…über sein Karriereende bei der Austria: „Ich wollte eigentlich schon aufhören, weil ich mir im Trainingslager mit 1860 eine Verletzung zugezogen habe. Ich habe damals eigentlich schon daran gedacht, wieder Briefe austragen zu gehen. Horst Hrubesch hat mich dann angerufen und gefragt, ob ich noch ein Jahr anhängen will – nicht als Stammspieler. Wir hatten viele junge Spieler und mit denen sollte ich im Trainingslager mitarbeiten. Ich sollte aber trotzdem fit genug sein, dass ich spielen könnte, wenn ich gebraucht werde. Das hat sich auch bei einigen Spielen ausgezahlt. So war dieses letzte Jahr bei der Austria und es hätte auch so weitergehen können, aber ich hatte schon die Anfrage von 1860, ob ich als Co-Trainer von Werner Lorant zurückkommen möchte.“
…über die Schambeinverletzung von Johannes Handl: „Es hört sich für mich im Moment nicht gut an. Wir haben das damals mit Steffen Hofmann miterlebt. Er hat das damals lange hinausgezögert und hinausgezögert, bis es nicht mehr gegangen ist und dann hat es noch länger gedauert. Das war ein Riesenproblem. Wenn er jetzt schon selber sagt, dass er nicht das Gefühl hat, er kann 100 Prozent geben, ist mein Rat: Am besten so schnell wie möglich untersuchen lassen, damit man die Ursache weiß. Denn das zieht sich wie ein Kaugummi und bleibt dann oben drinnen. Wenn man bei jedem Pass, vor allem mit der Innenseite, wieder einen Stich spürt, hemmt das die Leistung. Man sollte da so schnell wie möglich gegenarbeiten und offen und ehrlich mit dem Trainer reden, anstatt es zu überbrücken, weil man Angst hat, das Leiberl zu verlieren.
…über potenzielle Abgänge der Austria: „Was passiert jetzt wirklich noch mit diesen drei sogenannten Angeboten? Das ist für mich das große Fragezeichen für den weiteren Verlauf der Saison. Wenn ein Fitz, ein Malone oder ein Barry geht, wäre das ein großer Einschnitt.“
Medieninfo Sky Sport Austria
05.08.2025