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Seit dem Ligaeinstieg vor fünfzehn Jahren konnte sich Fehérvár AV19 nur fünf Mal für die Playoffs qualifizieren. Für die roten Teufel sind der neunte oder zehnte Platz Alltag, im Halbfinale standen die Ungarn noch nie.

Auch heuer wird ein Ticket für die Post-Season eine Herkulesaufgabe. Obwohl für das Team in der vergangenen Saison nach der Zwischenrunde Schluss war, setzt man in Stuhlweißenburg gewissermaßen auf Kontinuität.

So wurde mit Trainer Antti Karhula trotz der verpassten Playoffs verlängert. Der Finne kam im Laufe der Saison 2018/19 nach seiner Freistellung bei Dunaújváros als Assistant Coach nach Székesfehérvár. In der vergangenen Spielzeit ersetzte Karhula Landsmann Hannu Järvenpää gegen Ende des Grunddurchgangs als Head Coach.

Der 44-Jährige kann auf eine durchaus erfolgreiche Trainerkarriere zurückblicken. 2014 übernahm er als Chef bei Hermes in der dritten finnischen Liga. In den Jahren zuvor war das Team mehrmals nur knapp am Abstieg gescheitert, in seiner ersten Saison als Head Coach führte Karhula den Verein bis ins Playofffinale und schaffte den Aufstieg in die Mestis, wo es die Mannschaft in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten bis ins Viertelfinale schaffte.

Kein Veränderungen gibt es zudem auch im Tor der Ungarn. Liga-Veteran Michael Ouzas war Fehérvár in der vergangenen Saison ein solider Rückhalt, seinen altersbedingten Leistungsabfall konnte der 35-Jährige jedoch auch weiterhin nicht aufhalten.

Sein Backup wird abermals Daniel Kornakker. Der 24-Jährige, der als großes Nachwuchstalent gehandelt wurde, konnte sich bisher noch nicht als Starter durchsetzen, während seiner beschränkten Einsatzzeiten konnte der Ungar jedoch gute Leistungen an den Tag legen.

Eine große Baustelle dominiert derzeit noch die Defensivabteilung. Aus der vergangenen Saison wurden nur fünf Spieler verlängert, jedoch wurde bisher nur ein Neuzugang vermeldet.
Das kanadische Legionärstrio neben den gehaltenen Tim Campbell und Michael Caruso komplettiert Paul Geiger. Bevor der 28-Jährige 2018/19 für den HC Bozen auf dem Eis stand, konnte er in der ECHL groß aufspiele. In der vergangenen Saison konnte der Linksschütze seine solide Form halten.

Bence Stipsicz und die Szabo-Brüder runden die Verteidigung Fehérvárs vorerst ab. Die drei Ungarn sind bereits seit Jahren fixe Größen im Aufgebot der roten Teufel und können die zahlreichen Abgänge gut kompensieren.

Will Fehérvár jedoch eine solide Saison hinlegen, wird der Vorstand noch einmal zuschlagen müssen und einige Verteidiger unter Vertrag nehmen oder zumindest einer Handvoll Nachwuchsspieler Einsatzzeiten geben.

Am meisten verändert hat sich die Offensivabteilung der Ungarn. Besonders mit den Abgängen von Scott Timmins (Crimmitschau, DEL2), Félix Girard (HC Innsbruck) und Andrew Yogan (vereinslos) hat Fehérvár einiges an Scoringpower eingebüßt. Die verlängerten Andrew Sarauer, Csanad Erdely und Anze Kuralt waren zwar solide Stützen in der vergangenen Saison, sind aber keine Leistungsträger im Team.

Bei den Neuzugängen der roten Teufel lässt sich ein klarer Trend erkennen, standen doch alle vier Stürmer zuvor bereits einmal in der EBEL unter Vertrag.

Die beiden Rückkehrer János Hári (13 Punkte in 24 Spielen für Pelicans in der Liiga/16 Punkte in 18 Spielen für Salzburg) und István Bartalis (41 Punkte in 46 Spielen für Vita Hästen in der Allsvenskan) stehen nach durchaus erfolgreichen Saisonen wieder im Aufgebot der Ungarn. US-Amerikaner Colton Hargrove holte Fehérvár direkt aus Bozen. Mit zweihundertneunundfünfzig AHL-Spielen im Gepäck wagte der 28-Jährige in der vergangenen Saison erstmals den Sprung nach Europa. Bei den Foxes war der Flügelstürmer mit einunddreißig Zählern maßgeblich am Erfolg beteiligt.

Abgerundet wird die Legionärsriege von einem weiteren Ex-Bozener. Zwei Jahre lang stand Alex Petan im Aufgebot der Südtiroler, ehe er in der vergangenen Spielzeit nach Iserlohn wechselte. In der DEL zeigte der Italo-Kanadier solide Leistungen, konnte sich jedoch nicht als wichtige Sütze etablieren.

Fehérvár sollte sich vor Saisonbeginn noch einmal nach Verstärkungen umsehen, will man wieder zurück in die Playoffs. Ob dies durch weitere Verpflichtungen oder den Einsatz von Nachwuchsspielern geschieht, ist dabei eher zweitrangig. Die Ungarn haben durchaus einen soliden Kern, nun gilt es vorrangig, die Kadertiefe wettbewerbsfähig zu gestalten.

Durch den Einstieg Bratislavas und gut aufgestellter Haie aus Innsbruck ist die Mission Post-Season jedoch alles andere als leichter geworden. Wenn Michael Ouzas weiter an Form verliert und Daniel Kornakker (noch) nicht bereit für mehr Verantwortung ist, könnten sich die Ungarn ohne Weiteres auch am Ende der Tabelle wieder finden.

für Sportreport: Lukas Hörmandinger

17.09.2020


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