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Der EC-KAC nimmt das Auswärtsspiel in Tirol von Tabellenrang acht aus in Angriff, hat aber noch ein Spiel weniger ausgetragen als der Großteil der vor ihm platzieren Klubs. Die Rotjacken fuhren am Dienstag beim 5:2-Heimerfolg gegen die Vienna Capitals ihren vierten Saisonsieg ein, in der Fremde mussten sie sich zuletzt allerdings zwei Mal hintereinander – beim HC Pustertal und beim EC VSV – geschlagen geben. Mit 3,86 erzielten Toren pro Spiel sind die Klagenfurter aktuell das offensivstärkste Team in der win2day ICE Hockey League, einen höheren saisonalen Schnitt verbuchte der Rekordmeister zuletzt in der Spielzeit 2000/01. Die Offensive der Rotiacken produzierte auch in jeder der bislang sieben ausgetragenen Begegnungen mehr Torschüsse als ihr jeweiliger Kontrahent, insgesamt stehen 246 Shots on Goal deren 177 der Gegner gegenüber.

Der HC Innsbruck liegt mit einer nahezu gänzlich ausgeglichenen Zwischenbilanz – vier Siege, vier Niederlagen, 12:12 Punkte und 19:20 Tore – derzeit auf Tabellenplatz sechs. Am Wochenende vor dem wohl vorentscheidenden CHL-Spiel gegen Aalborg treffen die Haie nun zu Hause auf den EC-KAC und dann am Sonntag auswärts auf die Pioneers Vorarlberg. Vor eigenem Publikum sind die Tiroler in der aktuellen ICE-Saison in regulärer Spielzeit noch unbesiegt, neben Erfolgen gegen die beiden letztjährigen Finalisten Bolzano/Bozen und Salzburg setzte es für den HCI zu Hause jeweils eine Niederlage nach Verlängerung (Black Wings Linz) und Penaltyschießen (HC Pustertal).

Gegenüber der vergangenen Saison haben sich die Haie vor allem defensiv stabilisiert: Sie verfügen aktuell über das effektivste Penalty Killing aller 13 Teams, ihr Gegentorschnitt (2,50) liegt derzeit deutlich unter dem bisherigen Klubrekord (2,96 im Spieljahr 2004/05).

Die Stadt Innsbruck ist einer der traditionsreichsten Standorte im österreichischen Eishockey: Bereits im Februar 1929 gastierte der KAC erstmals in der Tiroler Landeshauptstadt, als in der Saison 1946/47 erstmals eine österreichweit einheitliche Liga zur Austragung kam, war der Innsbrucker EV (neben Klagenfurt und Leoben) einer der drei teilnehmenden Vereine, die nicht in Wien beheimatet waren. Zwischen 1953 und 1963 gingen sechs von elf Meistertiteln nach Innsbruck, das siebte und letzte Championat wurde 1989 eingefahren. Der Titelgewinn vermochte den Abwärtstrend des Klubs jedoch nicht mehr aufzuhalten, vier Jahre später verschwand der IEV aus der damaligen Bundesliga. Sein Nachfolgeverein, der HC Innsbruck, wurde im Februar 1994 aus der Taufe gehoben, er vertrat ab der Liga-Neugründung im Jahr 2000 Tirols Farben in der höchsten Spielklasse des Landes.

Dieser gehörten die Haie seither mit Ausnahme einer dreijährigen Phase als Zweitligist (2009 bis 2012) durchgehend an, der HC Innsbruck steht aktuell also in seiner 21. Spielzeit in der nunmehrigen win2day ICE Hockey League. Dort agierte man insbesondere hinsichtlich des letztendlichen Outputs einer Saison, dem Abschneiden in den Playoffs, überschaubar erfolgreich: Seit dem Viertelfinale gegen die Graz99ers im März 2003 haben die Tiroler keine Serie in der Post Season mehr für sich entscheiden können, überhaupt verpassten sie in acht der elf Jahre seit ihrer Rückkehr in den Bewerb die KO-Phase der Meisterschaft. Umso höher ist der letztjährige HCI-Erfolg einzuschätzen, als man sich als Grunddurchgangsdritter für die Champions Hockey League qualifizierte. Die 2022/23 eingefahrenen 1,83 Punkte pro Saisonspiel stellten zudem neuen Klubrekord im Oberhaus dar.

Seit seiner Rückkehr in die höchste Spielklasse (2012) war die Besetzung der Torhüterposition beim HC Innsbruck recht fluktuierend, in den elf Saisonen standen gleich zehn verschiedene Import-Goalies für den Klub am Eis. Zuletzt agierte bei den Haien drei Jahre hindurch Tom McCollum zwischen den Pfosten, ihn löste im Sommer Evan Buitenhuis ab. Der Kanadier, der in Nordamerika nie über Starts in der ECHL hinausgekommen war, legte bei den Tirolern einen starken Start in seine Premierensaison hin: Aktuell liegen sein Gegentorschnitt bei 2,21 und seine Save Percentage bei 93.3 Prozent. Ebenfalls prächtig in Innsbruck eingelebt scheint sich Kevin Roy zu haben: Der NHL-erprobte Mittelstürmer hält nach acht Ligaspielen bereits bei neun Scorerpunkten (zwei Treffer, sieben Vorlagen). Mit Corey Mackin steht den Haien ein zweiter starker Center zur Verfügung, er ließ in seiner zweiten Saison beim Klub vier Toren in ebenso vielen CHL-Partien acht Zähler in acht ICE-Begegnungen folgen.

Ebenfalls unter Beobachtung stehen wird aus dem Team der Tiroler Brady Shaw, der im Vorjahr zum ligaweiten MVP des Grunddurchgangs gewählte Stürmer. Er verbuchte in den vier Duellen mit den Rotjacken 2022/23 fünf Scorerpunkte, war also an fast der Hälfte der elf Treffer seiner Mannschaft als Schütze oder Vorlagengeber beteiligt. Mit Verteidiger Kele Steffler und den Stürmern Valentin Ploner und Nicholas Schintler können drei Spieler im aktuellen HCI-Aufgebot auf eine Vergangenheit beim EC-KAC verweisen.

Der HC Innsbruck ist einer von sechs Klubs, denen der EC-KAC seit der Liga-Neugründung im Jahr 2000 mehr als 100 Mal gegenüberstand: Von den bislang exakt 121 Begegnungen endeten 71 mit Erfolgen für die Kärntner, in 50 Fällen siegten die Tiroler. In der Historie der direkten Duelle ist für den Zeitraum der letzten fünf Jahre eine starke Trendumkehr hinsichtlich des Heimvorteils zu verzeichnen: Setzte sich bis zum Beginn der Saison 2018/19 in 69,3 Prozent der Fälle die jeweils gastgebende Mannschaft durch, so halbierte sich dieser Wert seither nahezu und liegt für diesen Zeitraum bei nur 35,0 Prozent. Insbesondere die Rotjacken entwickelten ein in Bezug auf die Resultate inniges Verhältnis zur TIWAG-Arena, die sie bei acht ihrer jüngsten zehn Auftritte als Sieger verlassen konnten. Zum Erfolg kamen die Klagenfurter dabei meist über die Defensive, denn nur in drei der letzten 17 Spiele in Tirols Landeshauptstadt erzielte der EC-KAC mehr als drei Treffer. Von den vier gegeneinander ausgetragenen Partien in der vergangenen Spielzeit gingen drei an den HC Innsbruck, der Rekordmeister verbuchte dabei insgesamt nur sieben Torerfolge, von denen fünf auf die Konten von Spielern gingen, die beim ersten Saisonduell 2023/24 nicht (mehr) dabei sein werden.

Die Mannschaft des EC-KAC reist bereits am Donnerstag nach Innsbruck an, dabei nicht im Bus sitzen werden unverändert Raphael Herburger, Fabian Hochegger und Daniel Obersteiner (alle verletzt) sowie Sebastian Dahm (angeschlagen). Jesper Jensen Aabo und Luka Gomboc, bislang beide noch ohne Saisoneinsatz, kehrten am Donnerstag vollumfänglich in das Mannschaftstraining zurück, sind für die Partie am Freitag aber noch kein Thema. Nach seiner Pause am Dienstag avanciert gegen die Tiroler wieder Florian Vorauer zum Starting Goalie seines Teams. Neuverpflichtung Christian Engstrand ist gegen die Haie nicht mit an Bord, er verbrachte die beiden Nächte nach seinem KAC-Debüt aufgrund einer Dehydrierung im Krankenhaus und wird erst in den kommenden Tagen wieder in den Trainingsbetrieb eingegliedert.

„Wir hatten in jeder der sieben bisherigen Ligapartien die Chance auf den Sieg, das ist ebenso ein gutes Zeichen wie der Umstand, dass wir uns in vielen Bereichen noch verbessern können. Es hat sich gezeigt, dass wir bereits jetzt mit jedem Gegner mithalten können, einige Aspekte in unserem Spiel funktionieren auch schon so, wie wir uns das vorstellen. Ich glaube, dass die generelle Richtung der Entwicklung des Vereins stimmt, am Eis gilt es jetzt, weiter Schritte nach vorne zu machen. Wir lernen zwar alle noch das neue System, aber man kann sagen, dass sich jeder Spieler in unserem Kader weiterentwickelt hat. Wir sind aktiv, wir sind schnell, das ist eine große Umstellung zum letzten Jahr, jetzt müssen wir noch einige Fehler abstellen, dann werden wir auch kontinuierlich siegen.

Mir persönlich gefällt unser neuer Spielstil sehr, das Gefühl, dass wir alle fünf Skater immer in Bewegung sind, macht es leichter, Fehler von Mitspielern auszubessern. Durch die Mobilität hat immer noch jemand die Chance, an einen enteilenden Gegner heranzukommen. Es ist auch meist so, dass wir das Spiel diktieren. Wie erwähnt, machen wir noch zu viele Fehler, das erschwert manche Aufgabe, außerdem sitzen wir definitiv noch zu häufig auf der Strafbank. Mit meinem persönlichen Saisonstart bin ich generell recht zufrieden, ich komme meist erst im Verlauf einer Spielzeit auf Touren, aber ich finde, dass Tobias Sablattnig und ich die Sache schon jetzt relativ gut machen.

Wir reisen bereits am Tag vor der Partie nach Tirol, Busbeine wird es also nicht geben. Innsbruck verfügt immer über sehr viel Talent in seiner Mannschaft, insbesondere im Angriff, da dürfen wir uns auch nicht davon täuschen lassen, dass sie in den letzten Partien weniger oft getroffen haben, denn da ist immer noch sehr viel Feuerkraft vorhanden. Das trifft heuer auch auf uns zu, daher erwarte ich einen offenen Schlagabtausch. Wichtig wird sein, dass wir seltener in Unterzahl geraten, der HCI hat ein gefährliches Powerplay. Aktiv bleiben, Beine bewegen, als geschlossene Einheit agieren, dann bin ich mir sicher, dass wir mit einem Drei-Punkte-Sieg zurück nach Hause fahren.“ (Thomas Vallant, Verteidiger EC-KAC)

Presseinfo: KAC

05.10.2023


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