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In der vergangenen Woche habe ich den Kader der Vienna Capitals für die kommende Saison begutachtet, diesmal ist der EC VSV an der Reihe. Die Villacher, die in den vergangenen Jahren ständig mit finanziellen Engpässen zu kämpfen hatten, standen im vergangenen März zum ersten Mal seit drei Saisonen wieder in den Playoffs. Doch können sie sich erneut dorthin spielen?

Den Anspruch darauf stellen die Adler nicht zuletzt aufgrund der Verpflichtung von Neo-Head-Coach Dan Ceman. Der 47-Jährige Kanadier konnte in der Saison 2018/19 mit Banskas Bytrica die slowakische Meisterschaft gewinnen, in der vergangenen Spielzeit war das Team erneut auf Titelkurs. Zuvor war Ceman fünf Jahre lang Cheftrainer bei Sönderjysk und wurde dort zwei Mal dänischer Meister.

Die Draustädter sehen in ihm einen dynamischen Coach, der attraktives, modernes Eishockey spielen lässt. Playofferfolg hat der neue Chef hinter der Bande jedenfalls im Gepäck.

Um den VSV wieder zu einer fixen Größe im heimischen Eishockey zu machen, lotste Ceman als ersten Transfer Wunschtorhüter Tyler Beskorowany nach Villach. Der 30-Jährige war in der vergangenen Saison mit einer Fangquote von 93% maßgeblich am Grunddurchgangserfolg von Banska Bystrica beteiligt. Zudem kann der Kanadier auf fünfundsechzig AHL-, neunzig ECHL- und siebenundsechzig DEL-Einsätze verweisen. Auf der Backup-Position hat sich Youngster Alexander Schmidt mit guten Leistungen in EBEL und AlpsHL in den Vordergrund gespielt. Die Hauptlast der Spiele wird jedoch auf Beskorowany liegen.

In der Defensive setzen die Draustädter wieder vermehrt auf österreichische Talente. Neben den verlängerten Jamie Fraser und Kevin Schmidt ist Neuzugang Matt Mangene der einzige Legionär in der Abwehr der Adler. Wie sich der US-Amerikaner, der sich in den letzten Jahren in der AHL als solide Ergänzung präsentieren konnte, bei seiner ersten Europa-Station verkaufen kann, kann erst die Zukunft zeigen. Unterstützt wird das Trio von Routinier Stefan Bacher und den jungen Martin Urbanek, Raphael Wolf und Sebastian Zauner (deutsch-österreichischer Doppelstaatsbürger).

Dass die Villacher damit eine starke Defensivabteilung haben, ist wohl eher anzuzweifeln. Obwohl mit Nico Brunner, der vorerst als Stürmer gelistet wird, jederzeit als Verteidiger einspringen kann, fehlt es an der nötigen Kadertiefe.

Stefan Bacher ist mittlerweile kaum mehr als ein Lückenfüller, ob Wolf und Zauner ihre Rollen als wichtige Defensivstützen ausreichend ausfüllen können, darf nicht als gegeben angenommen werden.

In der Offensive kommt es zu einer regelrechten Rotation bei den jungen Österreichern. Während die beiden Youngsters Felix Maxa und Benjamin Lanzinger sowie die Leihe von Christof Wappis verlängert wurden, mussten sich Alexander Lahoda (Black Wings Linz), Christof Kromp (HC Innsbruck) und Adis Alagic von ihrem blau-weißen Jersey verabschieden. Als Ersatz für sie haben die Adler Daniel Wachter (HC Innsbruck), Philipp Kreuzer (EC KAC) und Julian Kornelli (Schwenningen, DEL – deutsch-österreichischer Doppelstaatsbürger) unter Vertrag gestellt, sowie den jungen Deutschen Maximilian Kammerer von der Düsseldorfer EG (DEL) ausgeliehen.

Dass Anton Karlsson nach seiner starken Saison wieder in die Heimat zurückkehren und Miika Lahti aufgrund des Trainerwechsels während der vergangenen Saison wohl nicht mehr für die Villacher auflaufen werden würde, konnte man sich bereits denken. Umso wichtiger waren die Vertragsverlängerungen von Martine Ulmer sowie Jerry Pollastrone, Chris Collins und Patrick Björkstrand.

Komplettiert wird die Legionärsriege von den beiden Neuzugängen Scott Kosmachuk (OHL-Meister, 8 NHL-Einsätze) und Sahir Gill. Beide kommen von den Augsburger Panthern, hatten aber recht unterschiedlich erfolgreiche Aufenthalte bei den Schwaben. Während Ersterer bei seinem kurzen Engagement mit fünfundzwanzig Punkten aus zweiunddreißig DEL-Spielen eine perfekte Visitenkarte abgeben konnte, lesen sich Gills neununddreißig Zähler aus zwei Saisonen (einhundertein Einsätze) wenig überzeugend.

Alles in allem kann der VSV auf eine situationsbedingt solide Offensivabteilung zurückgreifen. Viel hängt jedoch auch davon ab, wie gut sich die neuen Youngsters in die Mannschaft integrieren und sich an das ICE-HL-Niveau anpassen können.

Eine Playoffqualifikation sollte sich für den VSV grundsätzlich ausgehen. Will man hinter den großen Zwei aus Klagenfurt und Salzburg jedoch sogar um das Heimrecht in der ersten Runde spielen, müssen einige Akteure über sich hinauswachsen. Ein direktes Ticket über die Pick Round zum zweiten Mal hintereinander scheint dennoch eine machbare Aufgabe für die neugeordneten Adler.

für Sportreport: Lukas Hörmandinger

05.09.2020